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»Für mich als Christin kommt Abtreibung
nicht in Frage« |

Die Fraktionsvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen im
Bundestag,
Katrin Göring-Eckardt, hat sich von den
Positionen
ihrer Partei zur Abtreibung distanziert. Es sei ihrer Ansicht nach
„widersprüchlich“, wenn die Grünen den Embryo zwar vor dem Klonforscher
aber
nicht vor einer Abtreibung schützen wollten, sagte sie im Interview mit
der
Wochenzeitung „Rheinischer Merkur“.
„Es ist aber auch eine Frage der Bewertung. Bei der Abtreibung geht es
schließlich auch um das Leben der Frau“, meinte sie. Zur Abtreibung im
Allgemeinen sagte sie: „Abtreibungen sind in unserem Land nicht
erlaubt. Es
geht allein um die Frage, ob ein Abbruch bestraft wird oder nicht.“ Zum
Wahlprogramm der Grünen, das die Abtreibung fordert, meinte sie: „Den
Paragraphen
218 will ich nicht abschaffen. Hier geht es um die strafrechtlichen
Folgen. Aber
für mich persönlich, als Christin, kommt Abtreibung nicht in Frage.“
Die Politikerin verteidigte jedoch die Haltung der Grünen zur
Biopolitik. Es
sei „keine Schande, eine ethische Grundhaltung zu haben und bewußt das
Zeichen
zu setzen: Wir machen nicht alles, was wir können“. Göring-Eckardt
kritisiert
in dem Interview den „Schwenk“ der Unionsparteien in der
Stammzellenforschung.
Es sei unverantwortlich, „daß die Konservativen das Klonen unter dem
Gesichtspunkt der Forschungsverwertbarkeit betrachten“. Für ein
schwarz-grünes
Bündnis sehe sie unter diesen Vorzeichen keine Basis.
Göring-Eckardt unterstrich auch den Wert alter und sterbender Menschen.
„Johannes Paul II. hat ein Zeugnis davon gegeben, wie viel man anderen
geben
kann, auch wenn man krank und gebrechlich ist“, stellte sie fest. Zur
viel
diskutierten Patientenverfügung meinte sie, es sei „extrem schwierig,
den
Willen eines einwilligungsunfähigen Patienten herauszufinden, selbst
wenn er
eine Patientenverfügung verfaßt hat. Vielleicht würde der Kranke in der
aktuellen Situation ja anders entscheiden als beim Abfassen der
Erklärung.
Richtig ist, eine Vertrauensperson zu benennen, die im Konfliktfall
entscheidet. Und: Im Zweifel ist immer für das Leben zu entscheiden!
Wir
diskutieren in Deutschland viel zu theoretisch. Die Menschen müssen
sich
endlich mit dem Sterben beschäftigen. Der Tod ist zu sehr ein Tabu.“
Von der Kirche erwartet sich Göring-Eckardt, daß sie sich nicht zu
jedem
tagesaktuellen Problem äußert. „Natürlich hat sie einen
gesellschaftlichen
Auftrag. Sie kann sich bei Fragen des Lebens, des Zusammenhalts oder
des
Friedens zu Wort melden. Aber Protestanten und Katholiken müssen mehr
bieten
als nur Stellungnahmen. Sie müssen Leuchttürme gegen die
Hoffnungslosigkeit
sein.“